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Jugendabteilung: Die Jungschützen von 1948 unter Fritz Bachem

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Dieser begeisterte Schütze stellte seine ganze Kraft in den Dienst des Vereins, insbesondere der Jugendpflege. Er hatte sozusagen "das richtige Händchen" im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Durchsetzungsvermögen in Verbindung mit Wohlwollen und Freundlichkeit; das waren die charakterlichen Stärken, die ihm die uneingeschränkte Sympathie der Jungschützen einbrachte. So scheute er sich auch nicht, seine "Truppe" exerzieren zu lassen, um in Festzügen ein vernünftiges Bild abzugeben.

Mittlerweile (1948) hatten die Besatzungsmächte die Waffenerlaubnis wieder erteilt, so daß mit einem auf einer Auktion ersteigerten Gewehr der Schießsport erneut aufblühen konnte. Geschossen wurde zunächst noch in der Schützenhalle, bis die Anlagen wieder instand gesetzt waren. Assistiert von Willi Meyer gelang es Fritz Bachem rasch, eine schlagkräftige Mannschaft aufzubieten, die gute Erfolge auch auf überregionaler Ebene erzielen konnte. Wie bereits 1932 opferten die Jugendlichen die Hälfte ihres knapp bemessenen Taschengeldes, um ihren Beitrag zum Gewehr- und Munitionskauf beizutragen. Aber auch an anderen Aktivitäten mangelte es nicht. So berichteten diejenigen, welche damals dabei waren, noch heute mit Freuden von vielen Ausflügen und anderen Geselligkeiten. Wie erfolgreich die Arbeit von Fritz Bachem gewesen ist, ist unter anderem daran erkennbar, daß viele Schützen, die heutzutage in führender Position innerhalb des Vereins bzw. des Vorstandes tätig sind, damals zu seiner Gruppe gehörten.

In den Nachkriegsjahren wurde von den Jungschützen ein alter Brauch zu neuem Leben erweckt. In der Woche vor Kirmes wurde in mühseliger Kleinarbeit ein Kirmesmann aus Stroh und alten Kleidungsstücken gebaut, der dann am Samstagabend mit einem geschmückten Pferdewagen durch den ganzen Ort gefahren wurde, wobei die Musik spielte und die zahlreichen Begleiter Lieder anstimmten. Im Vereinslokal (damals Gaststätte Buschwald) fand der Kirmesmann seine vorläufige Bleibe. Am Kirmesdienstag, dem damaligen Patronatsfest der St. Kunibertus Schützengesellschaft (seit 1994 feiern wir das Patronatsfest am Kirmessamstag), wurde der Kirmesmann wiederum in Begleitung einer Musikkapelle abgeholt, und zum Schützensaal geleitet. Dort war er dann für einige Zeit lustiger Mittelpunkt des Tanzvergnügens. Insbesondere Königspaar, Offiziere und natürlich Jungschützenmeister hatten die Ehre, mit ihm ein Tänzchen zu wagen. Abschluß und Höhepunkt des Frühschoppens war dann das feierliche Geleit des Kirmesmannes zu seinem Scheiterhaufen. Während die Strohpuppe lichterloh verbrannte, wurden Trauerlieder gesungen, aber auch im übermut der Festfreude um die Flammen herumgesprungen, so daß sich mancher Rock und Hose versengte.

Dieser kuriose Brauch wird auch heute noch gepflegt, jedoch hat das bunte Treiben manches an Urtümlichkeit und Originalität eingebüßt. Es wäre schön, wenn man dieses Spektakel neu beleben könnte.