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Vereinsgeschichte: Historisches

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Aus der Geschichte der St. Kunibertus Schützengesellschaft Gymnich 1848 e.V.

"Es gereicht mir zur besonderen Freude wie unserer Gemeinde zur Ehre, unter ihren Jünglingen einen Verein zu anständigen Vergnügungen, zur Ausbildung des Körpers und Geistes ins Leben treten zu sehen; und kann ich den vorliegenden Statuten meinen ganzen Beifall nicht versagen, Sie athmen vernünftige Freiheit und Eintracht und Wohlwollen, und das in einer Zeit, welche bemüht ist, in wilder Hast die letzten Reste dieser beglückenden Eigenschaften zu Grabe zu schleppen. Hält der Verein getreu zu seinen Statuten, so soll es mich freuen, wenn derselbe auch meine Söhne nach erreichtem vorschriftsmäßigem Alter in sich aufnehmen wird. Glückauf dem Junggesellen Schützenverein! Es lebe Freiheit und Eintracht und Wohlwollen!"
Burg Gymnich,
am Vorabende St. Peter und Paul 18hundertneunundvierzig
Der Bürgermeister
gez. Ittenbach

Dieses aus dem Jahre 1849 datierte Grußwort des damaligen Bürgermeisters und Rendanten der Gräflich Wolff-Metternichschen Verwaltung spricht von Vergnügungen, von Ausbildung des Körpers und des Geistes. Er läßt aber auch wie zahlreiche andere Dokumente verschiedenster Herkunft und Verfasserschaft keinen Zweifel an der durchaus praktischen und politischen Bedeutung des ein Jahr vorher, also im Jahre 1848 gegründeten "Cunibertus Junggesellen Schützenvereins".

Worin aber besteht diese Bedeutung des Vereins und wie kam es überhaupt zur Gründung?

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts ging eine mächtige Freiheitsbewegung durch ganz Europa. Hand in Hand mit diesem an sich lobenswerten Freiheitsstreben arbeiteten skrupellose Revolutionäre, die die Freiheitsliebe des Volkes zu eigennützigen, auf Profit gerichteten Zwecken mißbrauchten. Diese Kräfte bewirkten in Gymnich, daß Schloß und Kirche um ihren ferneren Bestand fürchten mußten. In diese Zeit der Gefahr für Schloß und Kirche fällt die Gründung der St. Kunibertus Schützengesellschaft. Unter dem Namen "St. Cuniberts Junggesellen Schützenverein" schlossen sich zunächst 49 junge Gymnicher zusammen.

"Im Jahre 1848, als man von gewisser Seite beabsichtigte, die Burg zu zerstören, traten junge Leute zusammen, boten ihren Schutz an und machten, daß ein überfall nicht ausgeführt werden konnte. Diese Bürgerwehr constituierte sich als St. Cunibertus Schützengesellschaft und blieb bis zum heutigen Tage treu in ihrer Anhänglichkeit an das gräfliche Haus."
(Auszug aus einem Brief von J. B. Ittenbach an Gräfin Wolff-Metternich vom 4. Mai 1880)

Aus den Ereignissen des Jahres 1848 und der auch späterhin engen Bindungen zum Schloß resultiert die noch heute hin und wieder für die Schützen gebrauchte Bezeichnung "Die Burgjonge".
Das Vorhandensein und der tatkräftige Einsatz dieser einer bürgerwehr-ähnlichen Vereinigung verhinderten den Erfolg der zerstörungswütigen Fanatiker. Im Jahre 1849 wurden die Statuten der Gesellschaft erstmals schriftlich fixiert. Die Treue zu Glaube, Sitte und Heimat, der feste Wille, gemeinschaftlich übel von Mitgliedern der Dorfgemeinschaft abzuwehren, sowie die Bereitschaft, frohe Geselligkeit und sportlichen fairen Wettbewerb zu pflegen, werden zum verbindlichen Programm erhoben.
Hier einige die Organisation betreffende Auszüge:

§ 10: Heirathet ein Mitglied, so muß dasselbe, wenn es ein Amt bekleidete, dasselbe sofort niederlegen.

§ 31: Auch unverheirathete Frauenzimmer können eingeschrieben werden.

§ 26: Zu Zugführern sind nur militärisch ausgebildete Mitglieder wählbar.

§ 27: Der Vorstand hat zu bestimmen, wann und wo die Vorübungen stattfinden, und der Präsident hierzu die polizeiliche Erlaubnis jedesmal nachzusuchen.

Hieran ist noch erkennbar, daß es sich zunächst um eine Kombination von Junggesellenverein und wehrhafter Schützengesellschaft handelte.

§ 13: Der Vorstand soll aber nie Beschlüsse fassen dürfen, die der hier bestehenden St. Sebastianus Bruderschaft hemmend, hindernd oder trotzend im Wege stünden.

Schon in den ersten Jahren des Bestehens bestand von seiten der St. Kunibertus Schützengesellschaft das Bestreben, nicht nur gutnachbarliche, sondern freundschaftliche Beziehungen zur St. Sebastianus Bruderschaft zu pflegen. Ausdruck dafür ist auch der folgende Paragraph:

§ 14: Um jedem Mißverständnis zu begegnen, wird bestimmt, daß jedem Mitgliede freisteht, in der St. Sebastianus Bruderschaft zu sein oder sich darin aufnehmen zu lassen. Ebenso steht diesseits der Aufnahme derjenigen jungen Leute, welche bereits in der St. Sebastianus Bruderschaft aufgenommen sind, nichts im Wege.

Im Jahre 1849 fand das erste Schützenfest des St. Cuniberts Junggesellen Schützenvereins statt, und zwar am Feste Peter und Paul. Ort der Schießveranstaltungen war die Fohlenwiese im Schloßpark. Bereits im Jahre 1850 wurde der Bürgermeister J. B. Ittenbach, der zugleich auch Präsident des Vereins war, Schützenkönig. Im Jahre darauf empfing Hermann Graf von Wolff-Metternich die Königswürde. Er sollte nicht der letzte Angehörige des gräflichen Hauses auf dem Schützenthron bleiben. Ausdruck der engen Verflechtungen der Gesellschaft mit dem Schloß war auch das Pachtprivileg für die Mitglieder, das erst wesentlich später von Franz Vicomte de Maistre zugunsten der Allgemeinheit aufgehoben wurde.

In all diesen Jahren erwies sich auch Pfarrer Mertens als besonders spendenfreudiger Gönner. Er ließ der Gesellschaft jährlich einen Betrag von fünf bis zehn Thalern zukommen, ein für damalige Zeit sehr ansehnlicher Betrag, wenn man bedenkt, daß bei einer Tanzveranstaltung an Eintrittsgeldern insgesamt rund zehn Thaler eingenommen wurden. Selbst die Erben von Pfarrer Mertens hielten noch an diesem Brauch fest.

Seit dem Jahre 1870 war die Freundschaft der beiden Schützenvereine in Gymnich trotz immer wieder auftretender Schwierigkeiten soweit gediehen, daß gegenseitige Festbesuche als Selbstverständlichkeit galten. Ab 1873 fanden die Schützenfeste der St. Kunibertus Schützengesellschaft nicht mehr am Feste Peter und Paul, sondern am darauffolgenden Sonntag statt.

In den Protokollbüchern der Gesellschaft, die von der Gründung an alle Vorkommnisse, alle Einnahmen und Ausgaben bis auf den letzten Silbergroschen lückenlos enthalten, findet sich ein Brief des Vorstandes an Graf von Bismarck mit der Bitte um übersendung einer im Kriege 1870/71, an dem viele Mitglieder teilnahmen, in Frankreich erbeuteten Kanone. In der alsbaldigen Antwort heißt es, daß dem Verlangen wegen der Vielzahl der Gesuche leider nicht entsprochen werden kann.

Zum 25 jährigen Gründungsjubiläum im Jahre 1873 wurde auf dem Schützenplatz hinter den Ellern erstmals ein großes Festzelt aufgebaut. Aber schon bestanden Pläne, eines Tages ein eigenes festes Bauwerk zu errichten. Ein 1874 auf dem Plexer gekauftes Grundstück konnte gegen das dem Grafen Wolff-Metternich gehörende Grundstück an der Platzgasse, heute Schützenstraße, eingetauscht werden. Die Vereinigung aller Kräfte machte es möglich, daß das Schützenfest 1876 bereits im eigenen Hause stattfinden konnte.

Heutzutage ist eine Schützengesellschaft ohne einheitliche Uniformierung nahezu undenkbar, und doch war es noch vor hundert Jahren eine Ausnahme, daß alle Mitglieder den sogenannten "Waffenrock" und die weiße Hose trugen. In der St. Kunibertus Schützengesellschaft hatten wohl die Offiziere stets eine Uniform getragen, für die Gesamtheit der Schützen wurde diese (grüner Rock, weiße Hose) erst 1883 Wirklichkeit. Die verbesserte Finanzlage allerorten und speziell die der Gesellschaft machte 1884 auch den Bau eines Scheibenhochstandes möglich.

gastspielVon einem für alle Beteiligten unvergeßlichen Ereignis im Jahre 1898 weiß die Chronik zu berichten; gemeint ist das 50jährige Gründungsjubiläum. Böllerschüsse, Fackelzug, Ehrung und reichliche Beschenkung der Jubilare sowie Zapfenstreich leiteten das Fest an seinem Vorabend ein. Am Festtag selbst wurde nach dem feierlichen Hochamt dem Präsidenten Bernhard Fischer vor seinem Haus eine neue, äußerst kostbare Fahne mit dem Bildnis des Hl. Kunibertus - sie kostete damals über 600 RM - übergeben. Sie wird noch heute bei Bedarf als dritte Fahne mitgeführt. Der Festzug, bestehend aus über 500 Schützen, die von überall her nach Gymnich gekommen waren, war für alle Zuschauer und Teilnehmer ein Erlebnis.

buntertheaterabendViele Ehrengeschenke wurden der Gesellschaft damals zuteil, so ein wertvoller Silberpokal der Gräfin von Merveldt, geb. Wolff-Metternich und die von Kaiser Wilhelm II. persönlich gestiftete Ehrenmedaille, die noch heute vom jeweils amtierenden Präsidenten getragen wird. Jäh wurden die Vereinstätigkeiten durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Das Schützenhaus wurde als Gefangenenunterkunft zur Verfügung gestellt. 1919 begann für die Gesellschaft die schwere Zeit des Wiederaufbaus.

Viele Mitglieder waren auf den Schlachtfeldern geblieben. Ihnen wurde eine steinerne Gedenktafel gewidmet, die noch heute an der Stirnseite unseres Saales zu sehen ist. Am 26. Juni 1921 wurde sie feierlich enthüllt. Nach dem 2. Weltkrieg mußte die Liste der Gefallenen noch um viele Namen toter Schützenkameraden erweitert werden.
Unter den braunen Machthabern kamen schwere Zeiten für die Gesellschaft. Bei den Schützenfesten der 30er Jahre mußte aus politischen Gründen auf allen Schmuck und Prunk verzichtet werden, der Fackelzug fiel sogar ganz aus. Den Schützen wurde die Teilnahme am Gymnicher Ritt verboten. Trotzdem nahmen sie, wenn auch ohne Uniform, aber doch mit Musikkapelle und Pferden in altgewohnter Weise unbeirrt am Ritt teil.

Eingang des Schuetzensaals.

gedenktafelschuetzensaalViele Mitglieder waren auf den Schlachtfeldern geblieben. Ihnen wurde eine steinerne Gedenktafel gewidmet, die noch heute an der Stirnseite unseres Saales zu sehen ist. Am 26. Juni 1921 wurde sie feierlich enthüllt. Nach dem 2. Weltkrieg mußte die Liste der Gefallenen noch um viele Namen toter Schützenkameraden erweitert werden.
Unter den braunen Machthabern kamen schwere Zeiten für die Gesellschaft. Bei den Schützenfesten der 30er Jahre mußte aus politischen Gründen auf allen Schmuck und Prunk verzichtet werden, der Fackelzug fiel sogar ganz aus. Den Schützen wurde die Teilnahme am Gymnicher Ritt verboten. Trotzdem nahmen sie, wenn auch ohne Uniform, aber doch mit Musikkapelle und Pferden in altgewohnter Weise unbeirrt am Ritt teil.

Im Jahre 1932 erfuhr der § 1 der Satzung von 1849 eine leichte änderung im Sinne einer Erweiterung. Neben den alten Idealen Glaube, Sitte und Heimat, Eintracht und Geselligkeit, wird nun die Förderung von Jugendpflege und Schießsport besonders hervorgehoben. Damit wurde etwas zu Papier gebracht, was eigentlich schon längst zum selbstverständlichen Alltag des Vereinslebens gehörte. Anders ist es gar nicht denkbar, das die Jugendschießmannschaft bereits am 10. Juni 1932 auf dem vereinseigenen Schießstand klar die westdeutsche Jugendmeisterschaft gewinnen konnte und dadurch für die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft qualifiziert war. Auch dort schnitt man hervorragend ab: Nur knapp von Nürnberg besiegt, erlangten die Jungschützen der St. Kunibertus Schützengesellschaft einen hervorragenden 2. Platz (siehe auch: Die Jugend der St. Kunibertus Schützengesellschaft Gymnich).

In den Wirren des Frühjahres 1933 äußerten sich die engen Beziehungen zum Schloß wiederum in tatkräftiger Hilfe. Auf die Bitte des Protektors Rudi Vicomte de Maistre hin bewachten die Schützen allnächtlich das Schloß, um Gefahren, die dem gräflichen Hause von seiten politischer Extremisten drohten, abzuwenden. Im gleichen Jahre wurde der Vater des Protektors, Franz Vicomte de Maistre, Schützenkönig.

gefallenengedenkblattBei den Schützenfesten der 30er Jahre mußte aus politischen Gründen auf allen Schmuck und Prunk verzichtet werden, der Fackelzug fiel sogar ganz aus. Seit 1934 durften laut Richtlinien der Regierung Hitler die Vorstandsmitglieder nur noch vom Präsidenten verpflichtet, nicht aber, wie bisher üblich, von den Mitgliedern gewählt werden. Der Präsident mußte sich "Vereinsführer" nennen. Die alte Satzung wurde zwangsweise aufgehoben und durch eine Einheitssatzung ersetzt.

Dies waren nicht die einzigen Momente der Entdemokratisierung und Unterdrückung durch die braunen Machthaber. 1938 schon wurde den Schützen die Teilnahme am Gymnicher Ritt verboten. Trotzdem nahmen sie, wenn auch ohne Uniform, aber doch mit Musikkapelle und Pferden in altgewohnter Weise unbeirrt teil. Ebenfalls wurden die Schützen in ultimativer Form aufgefordert, sich mit der ortsansässigen St. Sebastianus Bruderschaft, die sich schon 1936 in "Deutsche Schützengesellschaft, Ortsgruppe Gymnich", umbenannt hatte, zu einer Einheitsgesellschaft zu verbinden. Der damalige Präsident, Hubert Buschwald, protestierte dagegen aufs schärfste. Ihm wurde mit Auflösung der Gesellschaft gedroht. Auch versuchte man, ihn zu diesem Schritt erpresserisch zu bewegen, indem man ihm Rundschreiben an seine Schützenkameraden vorhielt, die eine Aufforderung zum verbotenen gemeinschaftlichen Kirchgang enthielten. Schließlich hatte der Präsident mit seinem mutigen und beharrlichen Auftreten Erfolg, und es kam nicht zum Zusammenschluß.

Während des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben wieder zum Erliegen. über die Geschehnisse dieser Jahre berichtet der Präsident in einem nach dem Kriege im Protokollbuch niedergeschriebenen Rückblick:

"Unsere Vereinstätigkeit ruhte im Kriege. Die Schützenhalle wurde für die Einquartierung unserer Soldaten beschlagnahmt. Die ersten Fliegertruppen wurden, weil unser Flugplatz noch keine fertigen Baracken hatte, daselbst auf Strohmatten untergebracht. Nach Abrücken derselben rückte Artillerie ein und an deren Stelle folgte Infanterie, deren Regiment hier gebildet wurde. Ihnen diente die Halle zugleich als Instruktionsraum. Im letzten Kriegsjahr wurde der Schützensaal als Proviantmagazin genutzt. Einen Tag, ehe die Amerikaner unser Heimatdorf besetzten (2. März 1945), wurde unsere Schützenhalle von mehreren Artilleriegeschossen und Bomben getroffen. Die Geschosse explodierten in der Halle und richteten große Zerstörungen an. Der Mob vervollständigte die Verwüstung, plünderte die Vorräte, die dort noch lagerten, riß den Bühnenboden auf, war schon in unserem Keller, um zu plündern, als ich Einhalt gebot. Schwarze Truppen holten unsere Tische und Bänke gegen Requirierungsschein nach unbekannten Plätzen weg. Unsere schöne Schützenhalle lag trostlos, Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Notdürftig wurden von uns Schützen Türen und Fenster verrammelt. Die Seitenpodeste wurden aufgebrochen und mit den Brettern die größten Löcher im Dach vernagelt. Man stahl uns dennoch dort alles, auch was niet- und nagelfest war. Wir Schützen waren machtlos. Durch Bombentreffer und Fliegerschäden hatte jeder an seinem Haus zu schaffen, aber was noch schlimmer war, durch die Amerikaner war Ausgangsverbot und alle persönliche Freiheit eingeschränkt. Nach dem Zusammenbruch mußten wir unsere guten Gewehre (Vogelbüchsen, Scheiben-und Kleinkaliberbüchsen sowie Degen) abliefern. Kurz darauf kam eine Verfügung, daß alle Sportvereine aufgelöst sind, auch unsere Schützengesellschaft. Das Vermögen wurde beschlagnahmt. Durch Eingreifen unseres Erzbischofs, Kardinal Frings, welcher das Katholische der Schützenbruderschaften in die Waagschale warf, wurde diese Auflösung zeitlich begrenzt. Wir mußten jetzt durch viele Schriftstücke beweisen, daß unsere katholische Tradition auch Wirklichkeit war. 1946 wurden neue Statuten aufgesetzt und endlich kam die Genehmigung, wenn auch mit Einschränkungen: Nur kirchliche Veranstaltungen, keine Uniform, kein Schießen."

Trotz der Einschränkungen durch die Besatzungen normalisierte sich das Schützenleben allmählich. Der Wiederaufbau der Halle wurde tatkräftig vorangetrieben. Baumaterial konnte nur durch Gegenlieferung von Getreide beschafft werden. Das Holz für die Erneuerung der Dachkonstruktion stiftete der damalige Protektor, Rudi Vicomte de Maistre. Weitere 24 000.- Mark kamen zusätzlich durch Spenden aus den Reihen der Mitglieder zusammen.

Bereits im Jahre 1946 fand wieder ein Schützenfest statt. Noch mußten die Bälle im Saale der St. Sebastianus Bruderschaft bzw. in der "Krone" abgehalten werden, denn die Reparaturen am eigenen Schützenhaus waren noch nicht völlig abgeschlossen. Das uns heute allen aus der Fernsehsendung "3 mal 9" bekannte Glücksrad ersetzte die Vogelbüchse.

Auch 1947 bot sich ein ähnliches Bild. Nunmehr konnte aber zumindest wieder ein König ermittelt werden. Das Glückslos fiel auf Philipp Fischer, der damit die Ehre hatte, der erste Nachkriegskönig zu sein.

September 1948: Die Währungsreform hatte gerade stattgefunden. Nicht nur mit Wirtschaft und Wohlstand, sondern auch mit unserer Gesellschaft ging es nun rapide aufwärts. Die Schützenhalle war wieder aufgebaut und renoviert. Durch die Besatzungsmacht waren die meisten Repressalien abgeschafft. So war es möglich, das 100jährige Jubelfest in dem ihm zukommenden Rahmen zu begehen. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnten viele Bürger von nah und fern das Schützenhaus sowie den ebenfalls anwesenden Bundesmeister in einem imposanten Festzug durch das farbenfroh geschmückte Dorf bewundern. Die Tatsache, daß noch nicht mit Gewehren geschossen werden durfte, tat der Festfreude keinen Abbruch. Um einen Ersatz zu schaffen, wurden eigens Armbrüste angefertigt, die sich auch glänzend bewährten.

In den folgenden Jahren verstand Präsident Buschwald es, mit Hilfe eines sehr aktiven Vorstandes und der Gesamtheit aller Mitglieder die St. Kunibertus Schützengesellschaft zu einer nie vorher dagewesenen Höhe zu führen. Unbeirrtes Festhalten an ehrwürdigen Traditionen sowie flexible und dynamische Integration in die neue Zeit bewirkten den starken Rückhalt und die Anteilnahme in der Bevölkerung und besonders bei der Jugend, welche die Gesellschaft auch heute noch geniest. So ist es nur zu verständlich, das der Einsatz für gesellschaftliches und kirchliches Leben, und dabei besonders für den Gymnicher Ritt, sowie die Pflege der Jugendarbeit und des Schiessports von Jahr zu Jahr intensiviert wurden. So betreute z. B. im Jahre 1948 Fritz Bachem eine Jungschützengruppe, aus der viele Mitglieder hervorgingen, die heute in führenden Positionen innerhalb der Gesellschaft tätig sind (siehe auch: Die Jugend der St. Kunibertus Schützengesellschaft Gymnich). In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, daß die Technik der Schießsportanlagen jeweils dem neuesten Stand angepaßt und die Uniformen modernisiert wurden. All diesen Aktivitäten ist die rasch wachsende Zahl der Mitglieder zu verdanken.

Im Jahr 1959 kam die Gesellschaft unter die Präsidentschaft von Reiner Schneider. Der Aufwärtstrend hielt in jeder Hinsicht an. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch von Bundeskanzler Willi Brandt und dem damaligen Außenminister Walter Scheel auf unserem Krönungsball 1972. Im Jahre 1973 feierte die Gesellschaft mit einem Bezirksschützenfest ihr 125jähriges Jubiläum. Nach diesem fröhlichen und gelungenem Fest begann für die Schützen ein Vierteljahrhundert des Schaffens an ihrer Anlage. Die Arbeiten begannen mit der Renovierung und Erweiterung des Saales und endeten mit der Fertigstellung des neuen Jugendraumes im Jahre 1996.